Interview mit Markus Mauthe, Naturfotograf

Markus Mauthe: Fotograf mit Mission

Tropen, Tauchen, Tarnzelt: Für seinen Traumjob bereist Fotograf Markus Mauthe (45) die Welt. Im Gespräch erzählt er von den spannendsten Erlebnissen seines Jobs und erklärt, warum er ein Nomadenleben führt.

Mauthe, Jahrgang 1969, ist am Bodensee aufgewachsen und lebt in Gladbeck. Nach einer Ausbildung zum Fotografen und einer Reise durch Neuseeland beschloss er als 20-Jähriger, seine Reiseleidenschaft mit dem Beruf zu verbinden. Die Naturfotografie bezeichnet er als sein „Seelenfutter“. Mit seiner Multivisionsshow „Naturwunder Erde“ tourt er derzeit durch Deutschland. Infos zu Terminen gibt es auf www.markus-mauthe.de.

Als Naturfotograf verbinden Sie Draußensein mit Reisen – was reizt Sie daran?

Markus Mauthe: Mein Elternhaus hat mich geprägt, wir waren eine Campingfamilie. Ich war als Kind viel draußen, so hat sich ein gewisser Drang nach Abenteuer entwickelt und danach, Neues zu erleben. Als Erwachsener hat man am ehesten beim Reisen die Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen und neue Dinge zu sehen.

Um sich von anderen Fotografen zu unterscheiden, setzen Sie auf Ihre eigene Bildsprache. Wie würden Sie die beschreiben?

Reduziert auf das Wesentliche. Ich konzentriere mich auf eine Hauptaussage und wähle klare Farben. Grundsätzlich bin ich sehr beeinflusst von der klassischen Fotografie, die sich auf den Goldenen Schnitt beruft.

Ihre Bilder zeichnen sich aber nicht nur durch ihre Komposition aus. Sie zeigen auch Motive und Orte, die für viele Menschen unzugänglich sind.

Ja, das stimmt. Meine Fototouren sind aber nicht ohne Strapazen, zum Beispiel, wenn ich in der Mongolei eine Woche im Tarnzelt warten muss, um ein Foto von scheuen Gazellen zu bekommen oder mit 20 Kilo Gepäck innerhalb von zwei Wochen einen 5000-Meter-Berg hinauf- und wieder hinabsteige.

Sind Sie auf der Jagd nach dem perfekten Foto jemals in Gefahr geraten?

Ich versuche, mein Leben nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Dabei höre ich auf mein Bauchgefühl: Ich gehe zwar oft an meine Grenzen, achte dabei aber immer auf meine Ängste. Dafür sind sie ja da: Sie zeigen ziemlich gut an, wo man besser nicht weiter macht. Oft kriege ich natürlich auch gar nicht mit, wie nah ich in einer Situation an einer Gefahr dran war. Ich weiß ja nicht, was passiert wäre, wenn ich hier oder da ein paar Sekunden länger geblieben wäre.

Welche Herausforderung würden Sie im Nachhinein als besonders schwierig bezeichnen?

Ich habe ziemlich großen Respekt vor Wasser. Irgendwann war mir aber klar, dass ich viele Lebensräume dieser Erde nicht zeigen kann, wenn ich das Element Wasser ausspare. Also habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und einen Tauchkurs gemacht. Die Fotos von einem Walhai, Quallen und einem Schwarm Barrakudas wären sonst nie zustande gekommen.

Wilde Tiere bewegen sich. Wie schwierig macht es das, gute Bilder zu schießen?

Oftmals sind es wirklich nur Augenblicke, wenn ein Löwe vorbeirennt oder ein Ara vorbeifliegt. Einen Großteil des Bildes macht auch das Licht aus. Motiv und Licht sind aber sehr flüchtig. Deswegen versuche ich die Zeit, die ich für eine Aufnahme habe, so gut es geht zu nutzen. Und wenn es nur fünf Minuten sind.

Wie bereiten Sie sich auf eine Fotoreise vor?

Am Anfang jedes Projekts steht ein Konzept. Ich frage mich, welche Geschichte ich erzählen will und welche Bilder ich dafür brauche. So entstehen Motive im Kopf. Dann schätze ich ab: Wieviel Zeit brauche ich und wieviel Geld habe ich zur Verfügung? Daraus ergibt sich, was ich bestmöglich machen kann. Die Hälfte der geplanten Fotos kriege ich auch, die andere Hälfte entsteht spontan.

Wenn die Idee steht, wie geht es dann an die Umsetzung?

Für jedes Projekt mache ich zehn bis 14 Fotoreisen. Die kürzeste hat zuletzt acht Tage gedauert. Das war ein Trip nach Spitzbergen. Ich hatte Glück und habe das Eisbär-Foto, das ich im Kopf hatte, direkt von einem Schiff aus machen können. Am längsten war ich für Aufnahmen im tropischen Regenwald unterwegs, sieben Wochen. Der Trip ins Amazonasgebiet hatte schon Expeditionscharakter. Wenn ich von allen Fotoreisen zurück bin, kommt im Anschluss die Tour mit 300 bis 400 Aufführungen quer durch Deutschland, jeden Abend in einer anderen Stadt. So kommt man schnell auf drei bis fünf Jahre.

Wie vereinbaren Sie so einen Job mit Ihrem Privatleben?

Das ist schon ein Nomadenleben. Mehr als einen Monat im Jahr bin ich gar nicht in meinem Wohnort. Ein klassisches Familienleben ist dabei gar nicht möglich. Das ist eben der Preis, den mein Traumjob fordert. Zum Glück kommt meine Partnerin zum Reisen häufig mit.

Seit zwölf Jahren arbeiten Sie mit Greenpeace zusammen. Wie kam es dazu?

Damals hatte ich eine Art Lebenskrise. Ich habe mich gefragt ‚Was will ich mit meinem Leben überhaupt machen?‘ Die Antwort war ‚Ich will gezielt etwas gegen Naturzerstörung tun‘. Also habe ich bei Greenpeace gefragt, ob ich meine Arbeit nicht in den Dienst des Vereins stellen könnte. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

Warum?

Mit meinen Vorträgen für Greenpeace kann ich die Menschen emotional packen. Ich glaube, nur so ist ein Wandel der Gesellschaft möglich.

Andererseits müssen Sie für Ihre Reisen und Vorträge Flugzeuge besteigen und Auto fahren. Wie vereinbaren Sie das mit Ihrer Forderung nach mehr Naturschutz?

Dass ich in der Hinsicht eine Öko-Sau bin, ist mir vollkommen klar. Deswegen versuche ich privat, meinen Idealen so nah wie möglich zu kommen. Ich esse kaum Fleisch, produziere wenig Müll und achte auf eine ökologische Herstellung der Produkte, die ich kaufe. Und ich hoffe natürlich, dass auch meine Vorträge ein Ausgleich sind, indem ich sie in einen guten Kontext stelle. Indem ich den Menschen die Schönheit der Natur vor Augen führe. Vielleicht berühre ich so den ein oder anderen im Herzen.

erschienen in den Online-Ausgaben der DuMont-Tageszeitungen